Mit dem Bus geht es über die französische Autobahn, dann über kleine holprige Straßen durch burgundische Dörfer und Weinberge. Dahinter liegt das 180 Seelendorf Taizé. Die von Frère Roger gegründete ökumenische Bruderschaft Communauté de Taizé bietet das ganze Jahr über in Taizé, gemeinsam mit vielen Gästen, eine einzigartige Möglichkeit zu multikulturellen Gemeinschaftserfahrungen, bewegenden spirituelle Erlebnissen und zur Auseinandersetzung mit Leben und Glauben. Im gemeinsamen Spielen, Essen, Singen, Arbeiten und Beten lernen sich die Jugendlichen, die zu tausenden aus der ganzen Welt in das kleine französische Dörfchen kommen, gegenseitig besser kennen. So entstehen häufig ganz unerwartet Freundschaften, die sehr lange Bestand haben.

Wo ich zur Ruhe komme

Viele Zitate von Jugendlichen bezeugen, was die Ausstrahlung einer Zeit in Taizé ausmacht. Was suchen und finden die jungen Menschen aus dem Bistum Aachen hier in Taizé? Das können einige zusammengefasste Zitate von ihnen am besten beantworten.

Warum bist du hier?

... ich wollte viele neue Leute kennenlernen ... ich wollte mich selber besser kennenlernen ... ich wollte mit meinem Glauben weiterkommen ... ich wollte das einfache Leben ausprobieren ... ich komme nach hier, um den Alltagsstress hinter mir zu lassen und neue Kraft zu tanken.

Wie würdest du Taizé beschreiben?

... viele Sprachen und christliche Religionen treffen aufeinander ... jede Menge freundliche und offene Menschen leben ein paar Tage zusammen ... eine tolle Gemeinschaft, als wenn wir uns schon lange kennen würden ... überall werde ich nett gegrüßt, und ich könnte jeden um Hilfe bitten ... über alle Fremdheiten und Sprachen hinweg fühle ich, hier bin ich richtig ... weit weg von Zuhause ein zweites Zuhause ... hier kann ich so sein, wie ich bin; wenn ich etwas Verrücktes ausprobiere, werde ich nicht gleich abgelehnt ... hier sind die Coolen nicht mehr wert als die Stillen ... gleichzeitig ein enger geschützter Raum und ein weiter offener Raum, wie ein Harry-Potter-Zelt ... hier reinige ich nicht nur meine Seele, sondern auch die Klos, übrigens ein toller Job ... nirgendwo anders kann ich meine Freunde so gut kennenlernen wie hier ...

Zum Thema „Sich selbst finden":

... ich komme hier zur Ruhe: kein Handy, kein Tablet, kein Fernseher, keine Geräte, die ständig was von mir wollen und die mich ablenken ... die eine oder andere Seite von mir findet erst hier den Raum, herauszukommen ... ich kann nachdenken, wer ich bin und wer ich sein möchte ... überall gibt es Ohren, die mir zuhören, und Schultern, an die ich mich anlehnen kann; danach geht's mit neuer Kraft weiter ... indem ich versuche, andere zu verstehen, verstehe ich mich selbst auch besser ... hier kann ich langsam gehen, ohne dass ich ungeduldig werde ...

Zum Thema „Glaube / Glaubensgespräche":

... in Taizé gibt es viele gute Anregungen und Angebote, mich mit meinem Glauben zu beschäftigen, aber es liegt an mir, Schritte zu gehen ... ich bin überrascht, wie viele coole junge Leute sich für Gott interessieren ... das hier sind Lebensgespräche, alles andere als das Uni-Gelabere zu Hause ... hier wird nicht nur über Glaube gesprochen, hier wird Glaube gelebt ...
... in der Natur und an der frischen Luft kommen mir manchmal die besten Ideen ... das ist gesund, aus dem großen Gott den lieben Gott zu machen beziehungsweise den Gott, der bei mir ist ... hier ist Religion etwas Persönliches, das ich erlebe und lebe, und nicht nachmache ...

Wie erlebst du die gemeinsamen Gebete?

... hier gehen auch die in die Kirche, die sich mit dem Glauben schwer tun ... die Gebete sind einfach anders, man kann auf dem Boden sitzen, singen, still sein ... zehn Minuten gemeinsam still sein, das tut so gut ... es wird nur wenig geredet, und das, was gesagt wird, wird auch noch öfter wiederholt, trotzdem ist es nicht langweilig, im Gegenteil, ich kann das viel besser verstehen und noch den ganzen Tag darüber nachdenken ...
... die Gebete laufen immer wieder anders ab, es gibt nicht so viele feste Strukturen ... die Gebete gehen so schnell vorbei, auch wenn sie 40 Minuten dauern ... so viele Jugendliche beten zusammen und sind dabei so ruhig, so etwas könnte ich zu Hause einfach nicht erleben ... die Brüder sitzen wie wir auf dem Boden, sie sind nichts Besseres... wenn alle zusammen singen, ist das sooo schön.

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© Bistum Aachen / Robin Schall